Freidenker schreibt Badgeschichte fort

Klaus Grohe: Genialer Kopf, im Herzen grün

In Schiltach ist wieder Wassersymposium. Auf der Bühne der Hansgrohe Aquademie diskutieren Experten aus aller Welt. Sie sprechen über die Bedeutung des Wassers in Politik, Gesellschaft oder Forschung. In Workshops werden Ressourcen schonende Designbrausen vorgestellt – oder auch Wassermusik gemacht. Einer hält sich bescheiden im Hintergrund: der Initiator des Ganzen. Typisch Klaus Grohe.

Klaus Grohe, Firmenchef im Schwarzwald.
Klaus Grohe ist ein „Schaffer“, sagt die Belegschaft, ein „Kerl voller Leidenschaft“, schwärmt Designer Philippe Starck und ein „Green Mind“, schreibt die Financial Times.

Klaus Grohe brennt von klein auf fürs Brausengewerbe

Als Klaus am 3. April 1937 geboren wird, sind seine Stiefbrüder Hans Junior und Friedrich 42 und 33 Jahre alt. Seinen dritten Sohn schickt Gründervater Hans Grohe erst einmal in die weite Welt hinaus. Obwohl er schon als Knirps fürs Armaturen- und Brausengewerbe brennt, darf Klaus – laut väterlichem Testament – frühestens mit 25 ins Familienunternehmen einsteigen.

Nach dem Internat in der Heimatregion geht’s für ihn in die Schweiz: Ecole Supérieure de Commerce in Neuchâtel, BWL-Studium an der Uni Bern. Seine Lehr- und Wanderjahre führen den Technikbegeisterten um den halben Globus, durch diverse Praktika und Trainee-Programme. Klaus ist der geborene Tüftler. Schon als Jugendlicher verblüfft er alle mit seinem mechanischen Geschick – ob er nun an Autos und Motorrädern schraubt oder Apparate bastelt.

Visionär mit Bodenhaftung

Klaus ist 18, als sein Vater stirbt und 23, als er seinen Bruder Hans Junior verliert. Das ist nicht nur für das Unternehmen eine Zäsur. Es stellt auch die Familie vor Herausforderungen. Ein paar Jahre hat Klaus Grohe noch Zeit, sich seiner großen Lebensaufgabe zu stellen. 1968 tritt er die Nachfolge an. Er geht seine Aufgaben neugierig und voller Elan an, bleibt aber immer bodenständig.

Zunächst wird er in Schiltach Organisationsleiter, später Marketingchef. Als Prokurist nimmt „KG“, wie er intern genannt wird, den Vertrieb unter seine Fittiche. Er baut ein überaus erfolgreiches Außendienstteam auf. 1977, mit 40 Jahren, wird er alleiniger Geschäftsführer.

Organisationstalent, Werbefachmann und Verkaufsgenie

Der Begriff „Hands-on"-Mentalität fällt oft zusammen mit seinem Namen. Klaus Grohe ist zupackend, unkonventionell, und dafür schätzen ihn alle. Früh zeichnet sich ab: Er hat das Zeug zum weitsichtigen Entrepreneur. Er übertrifft alle Erwartungen und macht aus dem süddeutschen Mittelständler Hansgrohe einen Global Player der Sanitärindustrie. Am Ende des Geschäftsjahrs 1968 verzeichnen die Bücher einen Umsatz von 35 Millionen, 1978 von 120 Millionen D-Mark. Gegen Ende von Klaus Grohes Ägide geht es auf eine Milliarde Euro zu.

Macher ohne Schlips und Kragen, Manager mit offenen Türen

Klaus Grohe ist ein Unruhegeist, der seinen Leuten viel abverlangt – und am meisten sich selbst. Er treibt Produkte, Projekte und Prozesse energisch voran. Unzählbar sind die Schritte, die der Rallye-Fahrer, Läufer und Mountainbiker auf seinem täglichen Gang durch die wachsenden Büros und Fertigungsstätten macht. Bis in seine späten Jahre hinein, noch als Aufsichtsratsvorsitzender, geht und geht und geht er, um für die Hansgrohe Belegschaft sichtbar und nahbar zu sein. Alle sprechen ihn an – und er nimmt sich Zeit für jedes Anliegen.

Von der Lochkarte zur Digitalisierung, vom Reklamespruch zur Corporate Identity

Klaus Grohe setzt bereits Ende der 1960er auf die noch junge EDV, investiert in Großrechner und wird zum Wegbereiter der Digitalisierung bei Hansgrohe. Seinerzeit ebenfalls neu: ein Corporate Design, das der Chef entwickeln lässt. Erste Wort-Bild-Marken und CD-Manuals entstehen. Die internationale Kundenbindung und Markenbekanntheit unserer Tage gehen auf Klaus Grohe zurück.

Leidenschaftlich, kompromisslos, dem Zeitgeist weit voraus

Wie weit er seiner Zeit voraus ist, wird man erst in den kommenden Jahrzehnten erkennen: dann, wenn viele seiner Ideen Standard im Bad geworden sind. Voller Tatendrang arbeitet Klaus Grohe am besseren Produkt, an der komfortableren Lösung, an der höheren Designqualität. Er motiviert seine Belegschaft, innovativ zu denken. Für die Armaturen und Brausen, die seinen Namen tragen, wird der Design-Aficionado zu einem der Vordenker der Badkultur. Schlichte Eleganz, Funktionalität und Minimalismus werden stilprägend für die Marke hansgrohe. Von den Konsumenten wird das begeistert aufgenommen.
„Er sagte: ,Wissen Sie, ich habe eine Firma, und wir machen Armaturen.’ Wir haben angefangen, uns zu unterhalten. Wir haben uns verliebt. Es war Klaus Grohe. Dieser Kerl ist und war unglaublich. Voller Ideen und Leidenschaft.”
Philippe Stark, Designer

Klaus Grohe: Designpionier des 20. Jahrhunderts

Zusammen mit externen Industriedesignern bringt Klaus Grohe ab Ende der 1960er „die gute Form“ ins Bad. Er engagiert Andreas Haug und Tom Schönherr von frog design, später Phoenix Design. Die Stuttgarter Designschmiede gestaltet noch heute alle Schlüsselprodukte der Premiummarke hansgrohe. Anfang der 1990er holt Klaus Grohe Philippe Starck ins Boot. Es gelingt dem Firmenchef, die Interior-Legende für die frisch gegründete Designmarke AXOR zu begeistern. Mit am Tisch sitzt der neue AXOR Chef Philippe Grohe – und mit ihm die nächste Generation Designpioniere. Innovative Ideen für die Zukunft des Bads entwickelt AXOR auch mit Antonio Citterio. Ihm folgen weitere international bekannte Designgrößen.

Allegroh, Uno, Raindance: Es regnet Designpreise

Apropos international bekannt: Klaus Grohe und seinem Unternehmen gelingt es, aus etlichen Produktbezeichnungen global geläufige Markennamen zu machen. Seien es die ersten Brausenfamilien Selecta (1960er) und Tribel (1970er) oder die ersten Einhandmischer Allegroh und Uno (1980er). In den Neunzigern bringt AXOR Starck den neuen Archetypus einer Waschtischarmatur in die Bäder der Welt, und Raindance wird in den Nullerjahren zum Inbegriff für „Duschvergnügen". Es regnet Designpreise.

In der Rückschau auf die Ära Klaus Grohe wird klar: Was dieser Mann anfasst, ist nachhaltig gut. Und zwar nicht nur fürs Bad und Unternehmen, für die Region und Familie – sondern auch für die Umwelt.

Klaus Grohes Passion: Das Lebenselixier Wasser

Es sind die 1980er – Blütezeit des Turbokapitalismus'. Doch Klaus Grohe will kein Wachstum um jeden Preis. Er macht umweltbewusstes Denken und Handeln zur Maxime in der Hansgrohe Produktentwicklung und -fertigung. Mit einem Öko-Pionier am Steuer versteht sich das Schwarzwälder Sanitärunternehmen als Anwalt des Wassers. Was aus Heimatliebe entsteht, wird zum „grünen“ Maßstab in der Branche. Vor dem Offenburger Werk steht fortan ein Solarturm, und auf dem Fabrikdach wird das 1990 größte Solarkraftwerk Europas installiert.

Klimaschutz beginnt beim Duschen und Händewaschen

1995 vergibt das Land Baden-Württemberg den ersten Umweltpreis an ein Industrieunternehmen: Hansgrohe. Dies wird zudem nach Öko-Audit-Verordnung der EU zertifiziert – ein Novum in der Sanitärbranche. Von Abfallmanagement über CO²-neutrale Projekte, Nachhaltigkeitsbericht und Recycling bis Wärmerückgewinnung: Es folgen zahlreiche Umweltschutzmaßnahmen und -awards. Klaus Grohe alias „Mr. Green Mind“ baut die Palette der Wasser und Energie sparenden Produkte mit komfortablen Funktionen aus. Das schont in zig Millionen Haushalten, Hotels und öffentlichen Gebäuden auf der Welt Ressourcen. Und er initiiert das Hansgrohe Wassersymposium, mit dem er zahlreiche Multiplikatoren aus Forschung, Politik und Medien nach Schiltach holt. Es zeigt sich: Klaus Grohes umweltbewusstes Denken und Handeln ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
„Der Klimawandel ist doch nicht ferne Zukunft, er ist Realität. Zur Verminderung der CO²-Emissionen muss die ganze Gesellschaft beitragen. Wir stellen heute die Weichen für übermorgen. ”
Klaus Grohe, 1990

Generationenwechsel im familiären Weltunternehmen

Auch bei seinem Abschied von Hansgrohe zeigt Klaus Grohe, welch weitsichtige Unternehmerpersönlichkeit er ist. Er übergibt den Führungsstab 2008 an den neuen Vorstandsvorsitzenden Siegfried Gänßlen und an seine Söhne. Er selbst bleibt bis 2015 Aufsichtsratsvorsitzender. Globalisierung, Digitalisierung und Emotionalisierung von Bad und Küche: Das sind Top-Themen der next generation. 2009 gründet der Ehrenbürger der Heimatstadt Schiltach die Stiftung Klaus Grohe, 2017 die Beteiligungsgesellschaft Syngroh Capital GmbH. Doch das ist eine andere (Familien-) Geschichte...
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